Bei der Durchfahrt durch die kurländische Stadt L. begegnet
ihm eine Kutsche, er tauscht einen Blick mit der schönen
Frau, die darin sitzt. Casanova unterbricht seine Reise und
sucht den nächsten Gasthof auf, beschließt, in L.
zu bleiben, um die Frau ausfindig zu machen. Er erfährt,
dass die Unbekannte zusammen mit einem gewissen de Ravenstein,
einem deutschen Arzt, unterwegs nach Wahrschau ist.
Es gelingt Casanova tatsächlich, mit der schönen
Unbekannten Kontakt aufzunehmen, der alte Arzt aber mischt
sich auf seltsame Weise in die Affäre ein. Bei einer Einladung
in sein Haus eröffnet er Casanova, die junge Xenia, die
er als sein Mündel ausgibt, sei kein menschliches Wesen.
Es handle sich um den Körper einer Toten, den er mittels
des Magnetismus wieder ins Leben gerufen und auf diese Weise
zu einem perfekten Automaten gemacht habe. Casanova hält
das für eine bösartige Lüge des Alten und beschließt,
Xenia aus seinem Bann zu befreien. Das gestaltet sich schwieriger,
als er glaubt.
Denn zu seiner Bestürzung muss Casanova erkennen, dass
auch Xenia selbst sich nicht für ein menschliches Wesen
hält. Sie verhindert seine Annäherung, weil sie nicht
möchte, dass durch das Offenbarwerden ihrer Nichtmenschlichkeit
die Illusion zerstört werde, sie sei ein Mensch.
Casanova, der eben diese Haltung als eine menschliche zu erkennen
meint, glaubt an eine Krankheit oder eine Notlüge Xenias
und versucht, mittels seiner Verführungskünste die
Macht de Ravensteins über Xenia zu brechen. Die Affäre
entwickelt sich zu einem Ringen um Xenia, in dem Casanova,
obwohl er all seine beträchtlichen Möglichkeiten
ins Spiel bringt, schließlich unterliegt.
Erst viel später muss er erkennen, dass er in de Ravenstein
auf einen Verführer getroffen ist, der ihm an Raffinesse
noch etwas voraus hatte.
Der alt gewordene Casanova beschließt beim Niederschreiben
seiner Lebensgeschichte aus Gründen, die wir nur erraten
können, diese Episode seinen Memoiren nicht hinzuzufügen,
sondern sie statt dessen ins Feuer zu werfen. Offen bleibt
allerdings, weshalb ihm das nicht geglückt sein sollte …
Erscheint im Februar 2008 im Llux-Verlag Ludwigshafen. | Leseprobe (PDF)